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Ein Baby verlieren

 

 

Ein Schwangerschaftsbefund verändert das Leben der Eltern. Die werdende Mutter ist verpflichtet, ihren Arbeitgeber darüber in Kenntnis zu setzen und verändert mit der Bekanntgabe ihres Umstandes ihr gesamtes soziales Umfeld. Je weiter die Schwangerschaft fortschreitet, umso inniger und intensiver wird die Bindung zu ihrem heranwachsenden Baby. Mit Hilfe des Ultraschall können die Eltern ihren Nachwuchs schon sehr früh sehen und haben Vorstellungen über die Zukunft mit Ihrem Kind. Sie überlegen sich, wie ihr Kind heißen wird, informieren sich über die Schwangerschaft und die Geburt. Sie stellen sich auf ein gemeinsames Familienleben ein. Häufig werden neue berufliche Pläne geschmiedet, erste Babykleider gekauft, ein Zimmer wird eingerichtet und vielleicht auch eine größere Wohnung bezogen.

 

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Die Nachricht über den Tod des (werdenden) Kindes kommt häufig sehr plötzlich und verändert all ihre guten Hoffnungen in eine Trauer, die in ihrer Tragweite mit keinem anderen familiären Trauerfall zu vergleichen ist. In Zeiten als es noch die Großfamilien gab, waren die Mütter und Väter nicht so einsam wie heute auf unseren gynäkologischen Klinikstationen. Ärzte sind auf ihr Fachgebiet so spezialisiert, daß eine physische (körperliche) und psychische (seelische) Behandlung und Heilung nicht mehr gewährleistet ist. Ein chirugischer Eingriff oder die Schmerzen der Geburtsverletzungen sind bei weitem nicht so schwerwiegend wie die psychische Notsituation der ohnmächtigen Eltern.

 

Eine Frau, die um den Verlust ihres Kindes trauert und allein ist, tauscht liebend gerne ihre gesamte Krankenhaus-Tagesration an Nahrung inklusive Chefarztvisite gegen fünf Minuten echte Trauerbegleitung. Neben Geburtsverletzungen oder einem chirurgischen Eingriff erlebt die Frau einen extremen Hormonumschwung, der bei jeder Wöchnerin zu tiefen Depressionen führen kann. Die Mutter ist in dieser Zeit weder seelisch noch körperlich belastbar genug, um den Schock über den Tod ihres Kindes allein bewältigen zu können.

 

Wenn ein Elternpaar sein Kind verliert, sollte dieser Tod von allen akzeptiert und als solcher verstanden werden, das sich daraus häufig ergebende Schicksal aber nicht als unveränderbar und vor allem endgültig angesehen werden. In der Zeit nach dem Verlust ihres Kindes verdienen die Eltern Verständnis, Zuwendung und Nächstenliebe. Verschaffen Sie sich selbst Klarheit über das, was geschehen ist. Bewahren Sie sich Ihre Erinnerungen an Ihr Kind und an die Schwangerschaft. Auch wenn es nur für kurze Zeit lebte, war es da, hat Ihr Leben verändert und Sie in gewisser Weise zu Eltern gemacht.