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Stefanie - Dennis und Fabian

 

Nicht ganz unerwartet wurde Stefanie schwanger. Im Vordergrund ihres ersten Arztbesuches stand eine Pilzinfektion, unter der sie sehr litt. Trotz Medikamenten ließ sich die Infektion während der fortschreitenden Schwangerschaft nicht vollständig bekämpfen. Während ihres Urlaubs auf Lanzarote springt die Fruchtblase und Stefanie verliert ihren ersten Sohn Dennis. Zurück in Deutschland machte ihr neuer Frauenarzt einen Abstrich, legte eine Bakterienkultur an und stellte fest, dass reichlich B-Streptokokken und Klebsiellen vorhanden waren. Beides Bakterien, die man unter dem Mikroskop meist nicht entdeckt, welche aber auch Ursache für den Verlust des Kindes gewesen sein können.
Nachdem die Bakterien beseitigt und der pH-Wert im grünen Bereich war, wurde Stefanie mit ihrem Wunschkind schwanger. In der 17. SSW ordnete ihr Arzt eine Cerclage an, die noch am gleichen Tag gemacht wurde, eine weitere Cerclage wurde in der 19. SSW veranlasst. In der 20. SSW bekam Stefanie Wehen und die Geburt ihres zweiten Sohnes Fabian ließ sich nicht länger hinauszögern.

 

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Beitrag von Stefanie

Dezember 2008 Viel ist passiert seit Veröffentlichung meines Beitrags zum Buch. Unser Folgekind Tobias, das als Frühchen im August 2004 zur Welt kam, hatte eine Gehirnblutung. Es war lange Zeit unklar, wie sich diese auswirken würde. Inzwischen wissen wir jedoch, dass Tobi eine Halbseitenlähmung (Hemiparese) hat. Er kann seine rechte Hand nur eingeschränkt benutzen. Auch im rechten Fuß / Bein hat er weniger Gefühl als ein normaler Mensch. Deshalb war er lange Zeit entwicklungsverzögert. Bei vielen Dingen haben wir gezweifelt, ob er sie überhaupt im Leben noch mal lernen wird. Inzwischen haben wir aber gelernt, Tobi zu vertrauen. Er hat bisher alles gelernt, was andere Kinder auch können - nur häufig deutlich später und vielleicht auch weniger geschickt als normal entwickelte Kinder. Inzwischen geht Tobi das zweite Jahr als Integrationskind in den Kindergarten und es gefällt ihm prima. Durch Tobis Frühgeburt und Behinderung ist bei uns so einiges anders gelaufen als gedacht. Als Baby sind wir mit ihm nicht zum Pekip oder Babyschwimmen, sondern zur Krankengymnastik, Frühförderung und ins Sozialpädiatrische Zentrum gegangen. Wir Eltern konnten und können nur eingeschränkt arbeiten gehen, denn als Baby hat sich Tobi geweigert, eine andere Betreuung als Mama oder Papa zu akzeptieren und jetzt umfasst ein integrativer Kindergartenplatz nur eine sechstündige Betreuung pro Tag (wenn es nach Tobis Kondition und Spaß am Kindergarten ginge, könnte es locker zehnstündig sein, wir behelfen uns dadurch, dass er sich mehrmals pro Woche nachmittags mit Kindergartenfreunden trifft). Tobi ist pfiffig, häufig staune ich über seine schlauen Bemerkungen. Er ist ein sehr liebenswürdiges Kind, aber auch sehr fordernd. Durch sein Dasein habe ich meinen Frieden mit dem Verlust von Dennis und Fabian gemacht. Ich leide nicht mehr unter der Angst, nie ein lebendiges Kind haben zu können - jetzt habe ich eins. Es ist nicht plötzlich wieder heile Welt, aber ohne den Tod von Dennis und Fabian hätte es Tobi nie gegeben. Ich habe meine Besessenheit von dem Thema Schwangerschaft und Kinder verloren, unser Kinderwunsch hat einen versöhnlichen Abschluss gefunden. Weitere Kinder werden wir nicht bekommen. Tobi ist übrigens durch den Krankenhausseelsorger getauft worden, der auch Fabian getauft hatte - damit hat sich für uns sozusagen ein Kreis geschlossen. Im Frühjahr waren wir mit Tobi auf Gran Canaria - den Ort, wo er gezeugt wurde und wo auf der Nachbarinsel sechs Jahre zuvor sein Bruder Dennis gestorben ist. Auch hier hat sich ein Kreis geschlossen. Ich habe meinen inneren Frieden wiedergefunden.